Mittwoch, 3. Juni 2009

Kommunikation als Interaktion – Kommunikation der Massenmedien

Soll Kommunikation gelingen, müssen bestimmte Disziplinierungen, die sich innerhalb einer Gemeinschaft gebildet haben, eingehalten werden. Es ist nicht allein der Sinn des Gesprochenen ausschlaggebend, sondern es spielen auch noch weitere Faktoren eine entscheidende Rolle in welcher Art und Weise Kommunikation funktioniert und wie sie sich entwickelt. Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, Mimik, Gestik und Körperhaltung tragen Entscheidendes dazu bei, wie Gesagtes verstanden und gedeutet wird. Alles was der eine Gesprächspartner von sich gibt, wird automatisch vom Gegenüber erfasst und interpretiert. Die Körperaktivitäten, die absichtlich mit Sinn versehen sind und die der Akteur vorsätzlich ausführt, fallen unter den Begriff des Handelns. Ein Mensch handelt dann, wenn er sich einer Tätigkeit und der Tatsache, dass diese etwas ausdrückt und nach sich zieht, bewusst ist. Er vermittelt bestimmte Botschaften und Informationen mit seinem Handeln, die in der Gemeinschaft, in der er agiert, wahrgenommen werden und Reaktionen sowie erneute Wahrnehmungsprozesse auslösen. Nicht nur die Antwort des Zuhörenden, sondern auch die damit verbundene Auswirkung auf die Interaktionsgemeinschaft beeinflusst die Situation und infolgedessen entwickelt die Kommunikation eine eigenständige Dynamik.

Geschieht Kommunikation nicht mehr in beiderseitiger Anwesenheit von Sprecher und Angesprochenem, treten Medien als Vermittler von Sprechen und Handeln auf. Die Kommunikation auf der Ebene des Körperausdrucks entfällt hier natürlich.

Der entscheidende Unterschied zwischen Kommunikation als Interaktion anwesender Akteure und der Massenkommunikation über die Medien besteht in der gegenseitigen Wahrnehmung der an der Kommunikation beteiligten. In der interaktiven Kommunikation wird die Wahrnehmung aller geteilt und gemeinsam erlebt. Wahrgenommen wird nicht nur bewusste Handlung, sondern auch individuelle Informationsvergabe mittels nonverbaler Kommunikation. Die Kommunikationspartner müssen sich dazu zur gleichen Zeit im gleichen Raum aufhalten.

Massenkommunikation ist indessen weder an einen bestimmten Raum noch an einen Zeitpunkt, zu dem die Kommunikation stattfinden, gebunden. Charakteristisch für diese Art der Kommunikation ist, dass der Mitteilende die Zuhörenden weder sieht noch kennt. Der Sprechende kann folglich auf sein Gegenüber genauso wenig reagieren wie eingehen und bleibt über Auswirkung und Auslegung des Gesprochene völlig im Unklaren. Er richtet sich an einen größeren Kreis nicht anwesender und anonymer Adressaten und orientiert sich ausschließlich an seinen eigenen Motiven, die für die anderen unzugänglich bleiben. Es entfällt nicht nur die Rückmeldung an den Autor, dieser kann auch nicht bestätigen oder berichtigen, was das Publikum verstanden zu haben glaubt. Insofern handelt es sich hier um eine sehr unpersönliche Art der Kommunikation, die allein in eine Richtung funktioniert und keinerlei Gegenreaktion ermöglicht.

Auf der anderen Seite kann mit der vermittelten Botschaft sehr individuell umgegangen werden. Das Buch als Beispiel für das erste Massenmedium schlechthin, ermöglicht jedem Rezipienten eine eigene Interpretation und Gestaltung der übermittelten Information. Je nach Lesegeschwindigkeit, den eingelegten Pausen und der Reihenfolge, in der die Kapitel gelesen werden, formt sich ein ganz persönliches und einzigartiges Verständnis des Textes. Der Lesende schafft sich folglich seinen eigenen Text, der sich zwar in Inhalt und Form nicht von anderen Ausgaben des Wortlauts unterscheidet, aber durch die subjektive Auseinandersetzung von Rezipient zu Rezipient anders aufgenommen wird.

Im Buch „Radio Free Albemuth“ erhält Nicholas per Post eine Werbereklame für Schuhe. Für Rachel ist diese Form der Massenkommunikation nichts weiter als eine öffentliche Aussendung für ein beworbenes Produkt. Für Nicholas stellt sie, aufgrund seines Hintergrunds und dem bis zu diesem Zeitpunkt Geschehenen etwas völlig anderes dar. Beeinflusst durch Valis bzw. seine bisherigen Erfahrungen liest er aus dieser Schuhwerbung etwas gänzlich Neues heraus. Der Text der Anzeige verändert sich keineswegs, aber dadurch, dass Nicholas bestimmte Wörter in Farbe sieht, die für Rachel gleichbleibend schwarz erscheinen, ergibt sich ein völlig neuer Sinn und somit Nicholas‘ eigener Text.
Den Massenmedien genügt es, wenn sich Rezipienten finden, die sich mit kommunizierten Inhalten in Büchern, Pressemitteilungen, Funk- und Fernsehsendungen etc. auseinandersetzen und sie somit weiter verbreiten.
Valis als Massenmedium führt Nicholas zu Sadassa Silvia. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Vertrauenspersonen bzw. Ansprechpartnern, seiner Frau Rachel und seinem besten Freund Phil, kann sich Nicholas nunmehr endlich mit jemandem über Valis austauschen.

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