VALIS ist Gott – Gott ist VALIS
In seinem Buch „Radio Free Albemuth“ erwähnt Philip K. Dick immer wieder das oder die Wesen aus dem VALIS System A. Die Abkürzung VALIS steht für: Vast Active Living Intelligent System A.
An dem, das VALIS ein außerirdisches Wesen ist, lässt Philip K. Dick in seiner Geschichte keinen Zweifel. Ganz im Gegenteil, immer wieder beschreibt er diese Erscheinungen sehr genau. Zu Beginn des Romans wird nur von einem einzigen Wesen gesprochen, welches Nicholas Brady in Visionen und Träumen erscheint. Erst ab Kapitel 6 wird von mehreren Personenähnlichen Gestalten gesprochen, die allerdings laut Nicholas keine materiellen Körper besitzen, sondern aus Elektromagnetischen Feldern bestehen. Diese Wesen nehmen durch einen Satelliten (also extraterrestrisch) Kontakt zu Nicholas auf.
Der Glaube an sich und eine damit verbundene Gottheit setzt Dick hier sehr stark als Mittel zur Wirkung auf die Hauptpersonen in seinem Roman ein. Aber auch die Wirkung auf die Massen soll durch die Werkzeuge, wie Beispielsweise Musik oder das Radio, vermittelt werden.
Der bereits erwähnte Satellit galt als das neue Kommunikationsmittel schlechthin, vor allem als neue Technologie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.(vgl. Plake 2004)
Die These, das VALIS eigentlich Gott darstellen könnte, wird hier immer wieder aufgezeigt. In den Gesprächen zwischen Phil und Nicholas kommt dieses Thema häufig zur Sprache. Als Beispiel für das oben erwähnte:
´I trust Valis.´
`Suppose he´s evil.´
´Evil?´ Nicholas Brady stared at me. ´He´s absolute force of good in the Universe!`
´I´m not sure I´d trust him, I said […] Maybe it´s just precognition on your part. Maybe you´re a precog. […](Dick 2008,S.43)
Hier zweifelt Phil noch vehement an der Existenz von VALIS, nicht aber daran, dass Nicholas irgendetwas gesehen haben muss (oder selber sein könnte). Phil bezieht sich darauf, dass Nicholas nur eine innere Stimme hört und diese ihm alles vorschreibt, was er denn nun zu tun hätte. Aber er beginnt auch, zumindest in der Mitte der Geschichte, an die Existenz einer fremden Macht zu glauben. Einen Vergleich stellt er hier an:
[…] What sort of imaginary voice is that? I asked myself, Suppose Columbus had heard an imaginary voice telling him to sail west. And because of it he had discovered the New World and changed human history […](Dick 2008,S.52)
Hier vergleicht der Protagonist Phil die Innere Stimme bzw. die Erscheinungen von Nicholas mit der Entdeckung Amerikas. Diese Reise von C. Columbus war vor allem zur Erschließung neuer Wirtschaftswege gedacht, doch der Glaube an einen Weg über den bekannten Horizont (mit dem Ziel Asien von der Westseite her zu erobern) war vor allem ausschlaggebend für diese Reise.(vgl. Wolf 1986, S.192ff)
All dies bezieht sich vor allem auf den Glauben an sich. Das VALIS hier in diesem Roman zum Hauptträger des Glaubens erkoren wird, ist im Bezug auf die Dicksche Weltanschauung durchaus verständlich. Immer wieder zeichnet er von Religion (Bsp. die nach Radio F.A. verfasste „Valis – Trilogy“) und Gott ein Bild vom fremden, unbekannten Wesen ab, welche außerhalb der bekannten Sphären existieren.
Was in diesem Zusammenhang weiter auffällt, ist die Erwähnung von Echnaton (Dick 2008, S.56), einem altägyptischen Pharao, der als Begründer der ersten Monotheistischen Religion gilt.(vgl. ancient-cultures 2009) Nicholas Brady erwähnt dies im Bezug auf Phil´s Science Fiction Geschichten. Ein weiterer Bezug zu Götterkult, den Dick hier eingefügt hat.
Was die Entwicklung von Phil in diesem Buch angeht, bezieht sich diese, wie bereits erwähnt, darauf, dass dieser sich immer weiter von Nicholas in dessen „phantastische“ Welt ziehen lässt. Die Begegnung mit den im Buch vorkommenden Institutionen des Staates (FBI; FAP usw.) verstärkt auch Phil´s Glauben an eine Fremde Macht, welche die Protagonisten befreien und ihnen aus ihrer misslichen Lage helfen könnte. Gegen Ende des Romans zweifelt Phil, vor allem wegen dem Tod von Nicholas und dessen Familie, immer noch die Existenz von VALIS an.
Nicholas was dead, and by now Rachel and Johnny, who had done nothing, had been rounded up. […] So much for the idea of a handful of people overthrowing a police tyranny. Even, I thought, with the help of Valis.
My friend is dead, I said to myself. The friend I have most of my life. There is now no Nicholas Brady to believe crazy things, to listen, to enjoy.(Dick 2008,S.268ff)
Phil bleibt also bis zu den letzten Seiten des Romans kritisch gegenüber VALIS. Selbst der Prediger (Leon) im Internierungslager, in das Phil gesteckt wurde, kann ihn nicht von der Macht Gottes und dessen Wirken auf der Erde überzeugen. Somit wird aber auch nicht aufgeklärt ob VALIS nun Gott ist oder nicht, es bleibt offen.
Philip K. Dick hat mit dem Roman „Radio Free Albemuth“ und der danach entstandenen VALIS – Trilogy, seine eigenen Visionen sehr stark manifestiert. Seine Beschreibungen lassen sich aus seinen 2-3-74 Erfahrungen gut in den Romanen ablesen. Diese Erfahrungen hat er auch in den so genannten Exegesen festgehalten, welche er in den Jahren 1974 – 82 verfasst hat. Seine Visionen hat er stets mit etwas Gottähnlichen verglichen, zumindest hatte eine Macht von außerhalb Einfluss auf ihn und teilweise auch auf seine Umgebung.(vgl. Sutin 1994, S.285ff)
Die Auseinandersetzung von Dick mit Glauben und dessen Wirkung auf einzelne, aber auch auf die breite Masse, wurde in diesen Romanen gut herausgearbeitet. Die Frage nach Gott und dessen Sinn und Zweck lässt Dick hier geschickt offen. Ein großer Raum für Spekulation und Interpretation ist somit den Lesern noch offen geblieben. Die Masse soll entscheiden inwieweit sich diverse Aspekte weiterentwickeln könnten.
Also, ich finde Dick einer der besten und interessantes SF-Autoren des 20. JAhunderts. Die Valis-Trilogie hat mich schon als Student beeindruckt. Finde ich super, dass ich diesen tollen Autor behandelt.
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