Donnerstag, 4. Juni 2009

Die Medien entwickeln ein Eigenleben

Medien dienen vorerst und zuallererst der Übertragung und Präsentation von Wissen. Da sie in unserer Gesellschaft allerdings einen immer höheren Stellenwert einnehmen, hat sich diese ursprüngliche Funktion etwas geändert. Die Medien haben ein Eigenleben entwickelt. Sie dienen nicht einfach nur mehr der Übermittlung von Informationen, sondern werden selbst aktiv.


Medien verändern das Gesellschaftsbild und die Wahrnehmung des Menschen,

„weil die mediale Fixierung und Verarbeitung von Wissen eine eigenen Wirklichkeit hervorbringt, die wiederum auf den Menschen und dessen Fähigkeiten zurückwirkt.“ (Reichertz 2007. S. 18.)


Medien sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken und fixer Bestandteil unseres Alltags. Wir wachsen mit ihnen auf, stellen uns auf sie ein und lassen uns von ihnen beeinflussen. Sie werden immer selbstständiger und von wem oder wie stark sie gesteuert werden, lässt sich gar nicht mehr ohne weiteres erkennen. Valis könnte man hier als extremstes Beispiel für Medien, auf die der Mensch gar keinen Einfluss hat, anführen. Valis als Massenmedium bringt Nicholas dazu, seinen Wohnsitz und Arbeitsplatz aufzugeben und nach Süd Kalifornien zu ziehen. Nicholas lässt sich nicht nur beeinflussen und leiten, sondern übergibt Valis gewissermaßen die gesamte Verantwortung und Entscheidungsmacht über sein Leben. Das Medium Valis gestaltet nunmehr Nicholas Dasein, vertritt aber die eigenen Interessen und handelt selbstständig. Von wem dieses System gesteuert wird bzw. wer letzten Endes die Fäden in der Hand hält, lässt sich nicht mehr feststellen.

Erscheint diese Steuerung unserer Gesellschaft über die Medien noch weit her geholt und rein fiktional, lässt sich anhand des Mediums Fernsehen zeigen, mit welcher Geschwindigkeit wir uns auf eben diese Situation zu bewegen.


Beinahe jeder besitzt heutzutage ein Fernsehgerät, das täglich und rund um die Uhr Programme sendet und jeden Menschen völlig unabhängig von Geschlecht, Alter und Gesellschaftstatus anspricht. Das Fernsehen gliedert und strukturiert unseren Alltag. Es folgt einem bestimmten Programm und hat für jede Übertragung seine bestimmte Zeit. Außerdem spricht es jedes Thema an. Es gibt nichts, zudem das Fernsehen keinen (scheinbar) objektiven Kommentar abgibt und womit es nichts anfangen kann. Ob Prominenz oder einfacher Bürger, es wird nicht nur jeder angesprochen, es wird auch über jeden gesprochen und berichtet. Zudem wirkt das Fernsehen nicht nur über seine Programme und Kanäle, sondern tritt auch vermehrt bei gesellschaftlichen Ereignissen auf. Es sponsert Feste, es verteilt Informationsmaterial zu Gesundheit, Religion und Natur etc. (vgl. Reichertz 2007, S. 24ff.)



Wie Nicholas in „Radio Free Albemuth“ seine berufliche Position nutzen will, um Inhalte und Botschaften zu verbreiten, die sonst nicht kommunizierbar wären, kann zwar jeder Mensch seine Meinung im Fernsehen vertreten und kundtun, ist allerdings trotz allem von der Allmacht des Fernsehens abhängig. Und diese zeigt sich im Konkurrenzdenken des Mediums. Die Sendezeit ist knapp und somit können nur brisante und Aufmerksamkeiterregende Themen vorgestellt und präsentiert werden.

„Eine zuverlässige Einflussnahme auf die Medien (von welcher Seite auch immer) ist also nicht (mehr) so ohne weiteres und vor allem nicht ungebrochen möglich, hat sich doch das moderne Mediensystem aufgrund politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen zunehmen zu einem eigenständigen gesellschaftlichen Subsystem entwickelt, das nach eigenen Logiken und eigenen Zwängen prozessiert.“ (Reichertz 2007, S. 27)


Mittwoch, 3. Juni 2009

Kommunikation als Interaktion – Kommunikation der Massenmedien

Soll Kommunikation gelingen, müssen bestimmte Disziplinierungen, die sich innerhalb einer Gemeinschaft gebildet haben, eingehalten werden. Es ist nicht allein der Sinn des Gesprochenen ausschlaggebend, sondern es spielen auch noch weitere Faktoren eine entscheidende Rolle in welcher Art und Weise Kommunikation funktioniert und wie sie sich entwickelt. Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, Mimik, Gestik und Körperhaltung tragen Entscheidendes dazu bei, wie Gesagtes verstanden und gedeutet wird. Alles was der eine Gesprächspartner von sich gibt, wird automatisch vom Gegenüber erfasst und interpretiert. Die Körperaktivitäten, die absichtlich mit Sinn versehen sind und die der Akteur vorsätzlich ausführt, fallen unter den Begriff des Handelns. Ein Mensch handelt dann, wenn er sich einer Tätigkeit und der Tatsache, dass diese etwas ausdrückt und nach sich zieht, bewusst ist. Er vermittelt bestimmte Botschaften und Informationen mit seinem Handeln, die in der Gemeinschaft, in der er agiert, wahrgenommen werden und Reaktionen sowie erneute Wahrnehmungsprozesse auslösen. Nicht nur die Antwort des Zuhörenden, sondern auch die damit verbundene Auswirkung auf die Interaktionsgemeinschaft beeinflusst die Situation und infolgedessen entwickelt die Kommunikation eine eigenständige Dynamik.

Geschieht Kommunikation nicht mehr in beiderseitiger Anwesenheit von Sprecher und Angesprochenem, treten Medien als Vermittler von Sprechen und Handeln auf. Die Kommunikation auf der Ebene des Körperausdrucks entfällt hier natürlich.

Der entscheidende Unterschied zwischen Kommunikation als Interaktion anwesender Akteure und der Massenkommunikation über die Medien besteht in der gegenseitigen Wahrnehmung der an der Kommunikation beteiligten. In der interaktiven Kommunikation wird die Wahrnehmung aller geteilt und gemeinsam erlebt. Wahrgenommen wird nicht nur bewusste Handlung, sondern auch individuelle Informationsvergabe mittels nonverbaler Kommunikation. Die Kommunikationspartner müssen sich dazu zur gleichen Zeit im gleichen Raum aufhalten.

Massenkommunikation ist indessen weder an einen bestimmten Raum noch an einen Zeitpunkt, zu dem die Kommunikation stattfinden, gebunden. Charakteristisch für diese Art der Kommunikation ist, dass der Mitteilende die Zuhörenden weder sieht noch kennt. Der Sprechende kann folglich auf sein Gegenüber genauso wenig reagieren wie eingehen und bleibt über Auswirkung und Auslegung des Gesprochene völlig im Unklaren. Er richtet sich an einen größeren Kreis nicht anwesender und anonymer Adressaten und orientiert sich ausschließlich an seinen eigenen Motiven, die für die anderen unzugänglich bleiben. Es entfällt nicht nur die Rückmeldung an den Autor, dieser kann auch nicht bestätigen oder berichtigen, was das Publikum verstanden zu haben glaubt. Insofern handelt es sich hier um eine sehr unpersönliche Art der Kommunikation, die allein in eine Richtung funktioniert und keinerlei Gegenreaktion ermöglicht.

Auf der anderen Seite kann mit der vermittelten Botschaft sehr individuell umgegangen werden. Das Buch als Beispiel für das erste Massenmedium schlechthin, ermöglicht jedem Rezipienten eine eigene Interpretation und Gestaltung der übermittelten Information. Je nach Lesegeschwindigkeit, den eingelegten Pausen und der Reihenfolge, in der die Kapitel gelesen werden, formt sich ein ganz persönliches und einzigartiges Verständnis des Textes. Der Lesende schafft sich folglich seinen eigenen Text, der sich zwar in Inhalt und Form nicht von anderen Ausgaben des Wortlauts unterscheidet, aber durch die subjektive Auseinandersetzung von Rezipient zu Rezipient anders aufgenommen wird.

Im Buch „Radio Free Albemuth“ erhält Nicholas per Post eine Werbereklame für Schuhe. Für Rachel ist diese Form der Massenkommunikation nichts weiter als eine öffentliche Aussendung für ein beworbenes Produkt. Für Nicholas stellt sie, aufgrund seines Hintergrunds und dem bis zu diesem Zeitpunkt Geschehenen etwas völlig anderes dar. Beeinflusst durch Valis bzw. seine bisherigen Erfahrungen liest er aus dieser Schuhwerbung etwas gänzlich Neues heraus. Der Text der Anzeige verändert sich keineswegs, aber dadurch, dass Nicholas bestimmte Wörter in Farbe sieht, die für Rachel gleichbleibend schwarz erscheinen, ergibt sich ein völlig neuer Sinn und somit Nicholas‘ eigener Text.
Den Massenmedien genügt es, wenn sich Rezipienten finden, die sich mit kommunizierten Inhalten in Büchern, Pressemitteilungen, Funk- und Fernsehsendungen etc. auseinandersetzen und sie somit weiter verbreiten.
Valis als Massenmedium führt Nicholas zu Sadassa Silvia. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Vertrauenspersonen bzw. Ansprechpartnern, seiner Frau Rachel und seinem besten Freund Phil, kann sich Nicholas nunmehr endlich mit jemandem über Valis austauschen.

Propaganda der Guten

In meinem Versuch, mich nach fast einer Woche Abwesenheit vom Thema wieder damit zu befassen, bin ich auf diesen Entwurf gestoßen, den ich hier doch noch veröffentlichen möchte.

Thema: Massenpropaganda. Auch, wenn die Verdoppelung vielleicht auf den ersten Blick unnötig erscheint - Propaganda ist nie nicht an eine Masse gerichtet -, soll hier kurz beleuchtet werden, wie Propaganda sich den Massen veroffenbart. Gerade in dem vorliegenden Buch, "Radio Free Albemuth", gibt es hier einige "Andockpunkte". Während aber die Propaganda FFFs aus historischer Perspektive, so man von so etwas sprechen kann, eine typisch "klassische", "konventionelle" darstellt, ist die VALIS Propaganda um ein entscheidendes Attribut gekennzeichnet: "tief-emotionales Vertrauen". Je restriktiver ein konventionelles propagandistisches System wird, desto rationaler wird es. Entweder ist man sich ob des zwecklosen Widerstandes bewusst oder man ist so von der Idee des Systems überzeugt, dass man kein Hinterfragen (auch nicht in familiären Kreisen) duldet. Gerade das letzte Argument mag vielleicht doch wieder nach "Vertrauen" klingen, ist aber keinesfalls von der gleichen Qualität wie das Vertrauen in den VALIS Sateliten.

Es wurde von meinen Kollegen bereits mehrmals diskutiert, dass VALIS eine Gottähnliche Gestalt sein könnte. Auch der Faktor "Vertrauen" ist in diesem Zusammenhang schon gefallen. Im Zusammenhang mit Propaganda ist also besonders jene Seite interessant, die mit außergewöhnlichen Mitteln arbeitet. Der Widerstand formt sich nicht aus politischem Tatendrang, sondern aus fast religiöser Überzeugung. Hätte es das VALI-System nicht gegeben, wäre eine Widerstandsbewegung dieser Größenordnung (es scheint ja doch einige VALIS-Empfänger zu geben) nie aufgekommen. Die Systemkritiker wären in ihrer Paralyse steckengeblieben, von den FAP immer weiter eingeschüchtert worden und hätten ihre Ratio schließlich aufgrund ihrer Hilflosigkeit und emotionalem Überdruck Gehirngewaschen und zum Schweigen gebracht. Jeder junge Mensch, der gesagt hätte, "da stimmt doch etwas nicht", hätte von diesen ehemaligen Kritikern eine äußerst emotionale Antwort erhalten und in seiner jungen Kritik von jenen, wo er annahm, Unterstützung zu finden, demotiviert, anstatt aufgebaut geworden.

VALIS ist also eine übernatürliche Instanz, die seinen Schützlingen noch etwas verspricht: Wenn sie die bedingungslose, nicht hinterfragte, Meinung von VALIS in Taten umsetzen und dabei, aufgrund des hohen Risikos sterben sollten, verspricht VALIS ihnen ein Leben nach dem Tod. Dort soll es sogar schöner sein als auf der Erde. Damit schafft sich VALIS quasi Attentäter, die den Tod nicht mehr fürchten. Wer ist eigentlich die gute Seite? Natürlich ist es nicht ganz richtig zu sagen, dass die Aramchecks völlig unhinterfragt VALIS-Befehle ausführen, sie haben schließlich die Probleme im System und die davon ausgehende Bedrohung erkannt und sind damit besonders empfänglich für jegliche Gegenpropaganda. Aber letztendlich lassen sie es zu, und Brady ist sich dessen bewusst, dass sie von VALIS Gehirngewaschen werden und schlimmer noch, ihre "Widerstands-" und "Wachrüttelpropaganda" basiert nicht auf einer wachrüttelnden Aufklärung sondern stellt eine Gehirnwaschende Propagandamaschine dar, die sich nicht im geringsten von jener der Regierung unterscheidet.

Massenkommunikation als Massenmanipulation

Radio Free Albemuth bedient sich verschiedenster biblischer Schlüssel in der Geschichtenerzählung:
Der brennende Dornenbusch (S.174), Die Befreiung der Ägypter durch Moses, der kurz darauf als quasi erster Empfänger außerirdischer Intelligenz bezeichnet wird (ebd.) bzw. am Ende der Zustand, dass sich zwei "Wissende" im Joch befinden, der Vergleich mit dem "jüdischen Krieg", 70 n.Chr., Die Auferstehung bzw. "Ewiges Leben" (S.177) und die Initiale "FFF" für Frederic F. Fremont" (666 - Zahl des Tieres / des Antichristen [1]). In diesem Werk scheint in Hinsicht auf "Massenkommunikation" also neben dem syntaktisch-technischen Aspekt (wie wird kommuniziert) vor allem der semantische mit hoher Bedeutung aufgeladen zu sein. Neben der Frage, was also überhaupt kommuniziert wird, zu welchem Zweck kommuniziert wird und wie sich das auf die Welt der Geschichte auswirkt, soll sich schließlich die Frage stellen: Wie findet der Kommunikationsfluss überhaupt statt?


Frederic F. Fermont (FAP):

- Kommuniziert über öffentliche Medien
- sendet Botschaften, die das Handeln des Präsidenten rechtfertigen, unterstützen, ihn vielleicht sogar durch Suggestion der Massen dazu auffordern sollen
- Empfänger sind nicht zum Hinterfragen aufgerufen, sondern sollen als Marionetten operieren
- Stärkt, rechtfertigt und erhält Autorität des Systems
- Anhänger: vorrangig junge Menschen, die in der FAP eine besondere Möglichkeit zur Verwirklichung sehen - außerdem: Aufstiegschancen

VALIS (Aramcheck):

- Kommuniziert über geheimen Satellit
- sendet komplexe Chiffren, weil aus dem Untergrund operierend,
- Bekämpft das neu etablierte fremde System, will das eigene (moralisch gute) wiederherstellen
- Anhänger: jene, die die politische Entwicklung hinterfragen


Auffällig ist, dass sich beide Seiten einer Ein-Weg-Kommunikation bedienen. Eine Antwortmöglichkeit ist nicht gegeben.
Es gibt zwar die Massenkommunikation in andere Richtung, indem Menschen aufgefordert werden, "sketches" über ihre Nachbarn, Freunde oder sich selbst zu verfassen und damit eine Aktion von seiten der FAP auslösen, die wiederum auf sie oder ihre Freunde rückwirken kann, dies ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass die unterjochte Masse keine Erkenntnisse aus der stattgefundenen Kommunikation (jedweder Form) schließen kann. Das ist ein Punkt in welchem sich die Aramchecks NICHT von den FAPPERS unterscheiden. Denn die Suggestivmanipulation über Musik stellt nicht gerade ein "Wachrütteln", sondern eher eine Gehirnwäsche dar. Die Masse, zu der kommuniziert wird, kann nicht rückkoppeln, kann keine Fragen stellen. Selbst Nicholas Brady stellt anfangs immer wieder fest, er habe das Gefühl, "programmiert" zu werden. So konzentriert sich der Fokus mehr und mehr auf die "Guten", die Widerstandskämpfer für die Freiheit. Sie wissen, dass Unrecht geschieht, sehen sich aber außer Stande, das Unrecht zu bekämpfen. So vertrauen sie sich einer übernatürlichen Instanz an - sind überhaupt erst jetzt dafür zugänglich.

[1] Bezieht sich auf Bibelstelle in der Johannesoffenbarung, die die Zahl 666 nennt. Sie könnte, da sich die Johannesoffenbarung öfters auf das römische Reich bezieht, eine Chiffre für Kaiser Nero sein. Vgl. dazu Josef Schmidt: Die Rätselzahl 666 in Offb 13:18 Ein Lösungsversuch auf der Basis lateinischer Gematrie In: Novum Testamentum, Band 44, S. 35-54, BRILL, 2002

Donnerstag, 28. Mai 2009

Mittendrin in der "Masscommunication" (Part 2)

VALIS ist Gott – Gott ist VALIS

In seinem Buch „Radio Free Albemuth“ erwähnt Philip K. Dick immer wieder das oder die Wesen aus dem VALIS System A. Die Abkürzung VALIS steht für:
Vast Active Living Intelligent System A.

An dem, das VALIS ein außerirdisches Wesen ist, lässt Philip K. Dick in seiner Geschichte keinen Zweifel. Ganz im Gegenteil, immer wieder beschreibt er diese Erscheinungen sehr genau. Zu Beginn des Romans wird nur von einem einzigen Wesen gesprochen, welches Nicholas Brady in Visionen und Träumen erscheint. Erst ab Kapitel 6 wird von mehreren Personenähnlichen Gestalten gesprochen, die allerdings laut Nicholas keine materiellen Körper besitzen, sondern aus Elektromagnetischen Feldern bestehen. Diese Wesen nehmen durch einen Satelliten (also extraterrestrisch) Kontakt zu Nicholas auf.

Der Glaube an sich und eine damit verbundene Gottheit setzt Dick hier sehr stark als Mittel zur Wirkung auf die Hauptpersonen in seinem Roman ein. Aber auch die Wirkung auf die Massen soll durch die Werkzeuge, wie Beispielsweise Musik oder das Radio, vermittelt werden.
Der bereits erwähnte Satellit galt als das neue Kommunikationsmittel schlechthin, vor allem als neue Technologie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.(vgl. Plake 2004)

Die These, das VALIS eigentlich Gott darstellen könnte, wird hier immer wieder aufgezeigt. In den Gesprächen zwischen Phil und Nicholas kommt dieses Thema häufig zur Sprache. Als Beispiel für das oben erwähnte:

´I trust Valis.´
`Suppose he´s evil.´
´Evil?´ Nicholas Brady stared at me. ´He´s absolute force of good in the Universe!`
´I´m not sure I´d trust him, I said […] Maybe it´s just precognition on your part. Maybe you´re a precog. […]
(Dick 2008,S.43)

Hier zweifelt Phil noch vehement an der Existenz von VALIS, nicht aber daran, dass Nicholas irgendetwas gesehen haben muss (oder selber sein könnte). Phil bezieht sich darauf, dass Nicholas nur eine innere Stimme hört und diese ihm alles vorschreibt, was er denn nun zu tun hätte. Aber er beginnt auch, zumindest in der Mitte der Geschichte, an die Existenz einer fremden Macht zu glauben. Einen Vergleich stellt er hier an:

[…] What sort of imaginary voice is that? I asked myself, Suppose Columbus had heard an imaginary voice telling him to sail west. And because of it he had discovered the New World and changed human history […](Dick 2008,S.52)

Hier vergleicht der Protagonist Phil die Innere Stimme bzw. die Erscheinungen von Nicholas mit der Entdeckung Amerikas. Diese Reise von C. Columbus war vor allem zur Erschließung neuer Wirtschaftswege gedacht, doch der Glaube an einen Weg über den bekannten Horizont (mit dem Ziel Asien von der Westseite her zu erobern) war vor allem ausschlaggebend für diese Reise.(vgl. Wolf 1986, S.192ff)
All dies bezieht sich vor allem auf den Glauben an sich. Das VALIS hier in diesem Roman zum Hauptträger des Glaubens erkoren wird, ist im Bezug auf die Dicksche Weltanschauung durchaus verständlich. Immer wieder zeichnet er von Religion (Bsp. die nach Radio F.A. verfasste „Valis – Trilogy“) und Gott ein Bild vom fremden, unbekannten Wesen ab, welche außerhalb der bekannten Sphären existieren.

Was in diesem Zusammenhang weiter auffällt, ist die Erwähnung von Echnaton (Dick 2008, S.56), einem altägyptischen Pharao, der als Begründer der ersten Monotheistischen Religion gilt.(vgl. ancient-cultures 2009) Nicholas Brady erwähnt dies im Bezug auf Phil´s Science Fiction Geschichten. Ein weiterer Bezug zu Götterkult, den Dick hier eingefügt hat.

Was die Entwicklung von Phil in diesem Buch angeht, bezieht sich diese, wie bereits erwähnt, darauf, dass dieser sich immer weiter von Nicholas in dessen „phantastische“ Welt ziehen lässt. Die Begegnung mit den im Buch vorkommenden Institutionen des Staates (FBI; FAP usw.) verstärkt auch Phil´s Glauben an eine Fremde Macht, welche die Protagonisten befreien und ihnen aus ihrer misslichen Lage helfen könnte. Gegen Ende des Romans zweifelt Phil, vor allem wegen dem Tod von Nicholas und dessen Familie, immer noch die Existenz von VALIS an.

Nicholas was dead, and by now Rachel and Johnny, who had done nothing, had been rounded up. […] So much for the idea of a handful of people overthrowing a police tyranny. Even, I thought, with the help of Valis.
My friend is dead, I said to myself. The friend I have most of my life. There is now no Nicholas Brady to believe crazy things, to listen, to enjoy.
(Dick 2008,S.268ff)

Phil bleibt also bis zu den letzten Seiten des Romans kritisch gegenüber VALIS. Selbst der Prediger (Leon) im Internierungslager, in das Phil gesteckt wurde, kann ihn nicht von der Macht Gottes und dessen Wirken auf der Erde überzeugen. Somit wird aber auch nicht aufgeklärt ob VALIS nun Gott ist oder nicht, es bleibt offen.

Philip K. Dick hat mit dem Roman „Radio Free Albemuth“ und der danach entstandenen VALIS – Trilogy, seine eigenen Visionen sehr stark manifestiert. Seine Beschreibungen lassen sich aus seinen 2-3-74 Erfahrungen gut in den Romanen ablesen. Diese Erfahrungen hat er auch in den so genannten Exegesen festgehalten, welche er in den Jahren 1974 – 82 verfasst hat. Seine Visionen hat er stets mit etwas Gottähnlichen verglichen, zumindest hatte eine Macht von außerhalb Einfluss auf ihn und teilweise auch auf seine Umgebung.(vgl. Sutin 1994, S.285ff)

Die Auseinandersetzung von Dick mit Glauben und dessen Wirkung auf einzelne, aber auch auf die breite Masse, wurde in diesen Romanen gut herausgearbeitet. Die Frage nach Gott und dessen Sinn und Zweck lässt Dick hier geschickt offen. Ein großer Raum für Spekulation und Interpretation ist somit den Lesern noch offen geblieben. Die Masse soll entscheiden inwieweit sich diverse Aspekte weiterentwickeln könnten.