Dienstag, 30. Juni 2009

'Got the Picture?




Fotomontage:
Fischer Stefan W.F.

Bilder Philip K. Dick: Sutin, L. (1994). S. 254 - 255

Bibelzitat: http://bibel.myvnc.com/ Zugriff: 23.06.2009
Fernseher: http://www.taringa.net/posts/musica/994970/Retro-TV-Soundtracks-Vol_-1.html
Zugriff: 23.06.2009
Radio: http://www.iwantoneofthose.com/gadgets-gizmos/mp3-audio/bush-retro-dab-radio/index.html Zugriff: 23.06.2009
Gutenberg-Bibel: http://prettybay.de/Prettybay-Verkauft.html Zugriff: 23.06.2009
Zeitung: http://www.dailycal.org/elections?type=look_back Zugriff: 24.06.2009

Mittwoch, 24. Juni 2009

Selbstbetrachtung führt zur Verdeutlichung des Massenmediums Buch

Noch zur endgültigen Ergänzung unserer Überlegungen, ist nicht zu vergessen, dass man in Hinblick auf Massenkommunikation natürlich das Buch „Radio Free Albemuth“ selbst miteinbeziehen muss, welches sich inhaltlich als Massenmedium selbst mit Massenmedien und Massenkommunikation beschäftigt und sich auch mithilfe dieser Betrachtung ganz offensichtlich selbst als Massenmedium ausweist.
Philip K. Dick behandelt in seinem Roman nämlich nicht nur herkömmlich Themen in Zusammenhang mit Massenkommunikation, sondern gerade dieses sich selbst reflektierende Verhältnis.

Philip K. Dick ist als Romanfigur in „Radio Free Albemuth“ ebenfalls Science Fiction Autor und des Öfteren werden seine Romane angesprochen. An einer Stelle wird allerdings sehr genau von einem Buch geredet, dass er gerade schreibt, welches die politische Situation die in „Radio Free Albemuth“ beschrieben wird, wiederum in gewisser Form zur Thematik hat, wenn auch weiter abstrahiert.

’Whats the book about?’

After a pause I said, ’A police state in America modeled on the Soviet Gulag prison system. A police slave-labor state here. It’s called Flow My Tears, the Policeman Said.’ “ (Dick 2008, S.75)

Man bekommt als Leser den Eindruck, als wolle die Romanfigur Dick die Situation unter Ferris F. Fremont und des Überwachungsstaates in diesem Buch verarbeiten. Diese Verarbeitung der Thematik des Überwachungsstaates impliziert wiederum Gedanken zu Massenmedien und ihrer Rolle. Man könnte also sagen, „Radio Free Albemuth“ setzt sich an dieser Stelle mit dem Massenmedium Buch auseinander, welches sich wiederum mit Massenmedien auseinandersetzt, oder auch, das Buch beobachtet sich sozusagen selbst bei der Beobachtung des Vorgangs der Beobachtung.
Es handelt sich somit um eine Beobachtung 3. Ordnung, ein Auseinandersetzen mit dem eigenen Auseinandersetzen.
(nach Watzlawick, 2005)

Diese Selbstreflexion führt unserer Meinung nach erst dazu, als Leser den Rückschluss auf das eigentliche Massenmedium Buch zu ziehen. Das Buch beschreibt sich quasi selbst und auch was es tut, um so den Augenmerk auf sich zu lenken und sich damit dem Leser selber als Massenmedium zu verdeutlichen.
Ob das nun von Philip K. Dick genau so geplant war, ist nicht sicher aber doch sehr wahrscheinlich. Dieser Gedanke ließe sich auch zu Fragen nach Kritik weiterdenken. So ist Selbstreflexion ja auch immer ein Vorgang der Selbstkritik beinhaltet und dann würde sich die Frage stellen - davon ausgehend dass dieser Rückschluss auf das eigentliche Medium Buch, in diesem Falle „Radio Free Albemuth“ von Philip K. Dick absichtlich eingesetzt wurde - welche kritische Aussage gegenüber Massenmedien allgemein, aber auch der Welt der Bücher hinter diesem Roman steht.

Dienstag, 23. Juni 2009

Systemtheoretische Ansätze

Im folgenden Post sollen noch einmal die Systemtheoretischen Ansätze, vor allem bezogen auf das Buch als Massenkommunikationsmittel, behandelt werden.

Wie dies in der damaligen Lehrveranstaltung (Schema an der Tafel) besprochen wurde, und wie Gruppe A dies in deren Grafik sehr schön veranschaulicht hat (http://masscommunication-blog.blogspot.com/2009/06/schema-der-kommunikation-in-rfa.html), zeigt das Werk von Philip K. Dick immer wieder Punkte eines Systems – vor allem eines sozialen Systems - auf. Auch in der Sitzung vom 03.06.2009 wurde, in Bezug auf die Geschichten Dicks zur Zeitreise bzw. Manipulation (Dynamik), das Systemhafte kurz erläutert.

In diesem Eintrag wird versucht, den Begriff der Systemtheorie auf die Geschichten von P.K. Dick umzulegen. Der hier verwendete Begriff der Systemtheorie basiert auf der Grundlage von Talcott Parson und Niklas Luhmann. (vgl. Schäfers 2006, S.283ff)

Diese Definition der Systemtheorie ist nach Parson eine strukturell-funktionale Theorie, welche sich als ein gedankliches Modell zur Abbildung sozialer Gebilde eignet und zur Erforschung unterschiedlicher Formen des geordneten Zusammenlebens dienen kann. (vgl. Schäfers 2006, S. 284f)

Um den Bezug mit den Stories von P.K. Dick herstellen zu können, muss die oben erwähnte Grafik noch einmal herangezogen werden. Hier wird womöglich auf den ersten Blick ein chaotisches System vermutet, jedoch bei einer analytischen Betrachtung sind die strukturell-funktionalen Bereiche durchaus auszumachen. Was als der Ursprung zu sehen wäre ist die Masse, der Leser, in diesem Fall. Hier wird vom Autor auf der Basis dieses geordneten Zusammenlebens - im realen Leben - ein Werk erschaffen, welches diese Masse bedient.
Philip K. Dick setzt allerdings innerhalb seiner Geschichten diese Strukturen immer wieder außer Kraft. Dies führt zu einem neuen System der Kommunikation, was besonders in den Mitteln (wie das Buch im Buch, Radio, Fernsehen usw.) zur Geltung kommt und somit den Leser außerhalb dieses bekannten strukturell-funktionalen Systems versetzt.

Nach Luhmann könnten hier die Begriffe der Autopoiesis - was das wirken der Geschichten von P.K. Dick auf den Leser betrifft - und Allopoiesis – was das Erfinden, das Schreiben, der Geschichten betrifft – verwendet werden. (vgl. Richter 2001, S. 145f)

Autopoietische Systeme erzeugen die Elemente, aus denen sie bestehen, mit Hilfe der Elemente, aus denen sie bestehen, selber. Der Gegenbegriff wäre Allopoiesis, also Fremdererzeugung […] (Richter 2001, S. 145)

Nach Luhmann bestehen soziale Systeme nicht aus Menschen, sondern aus Elementen der Kommunikation. Luhmann benutzt des Weiteren die Begriffe der Sinnfestlegung, des Sinngebrauchs und die Vorgänge der Sinngebung. Die Produktion und Verwendung von Sinn gilt, laut Luhmann, als das wichtigste Mittel des Menschen und von sozialen Systemen. (vgl. Schäfers 2006, S. 287ff)

Wie beschrieben spielt Dick in seinen Geschichte mit der Sinngebung, den Sinnvorgaben und der Produktion von Sinn an sich. Die Struktur, das System von Sinn, entwickelt sich aus der strukturell-funktionalen Ebene zu einer fiktionalen Ebene und schafft somit neue Sinnverhältnisse, welche sich dem Leser mehr oder minder erschließen. Das allopoietische System (in der Form der Story an sich) kommt hier also voll zur Geltung und legt den Grundstein zum Sinn, oder eben das Sinnhafte.
Was hier kurz erläutert wurde, bezieht sich auf die Systeme, welche im sozialen Gefüge als eine Grundlage zu bezeichnen wären. Die Vorgänge der Massenkommunikation wurden in den vorigen Einträgen bereits detailliert geschildert. Dieser Eintrag soll einen weiteren spezifischen Einblick in diese Systeme und deren Wirken veranschaulichen. Hier sollte ein Teil der Funktionen und Wirkungsweisen von Sinn,dessen Entwicklung und Auswirkungen innerhalb von Massenmedien bzw. der Massenkommunikation dargelegt werden. All dies im Bezug auf die oben erwähnten Sitzungen und das Buch „Radio Free Albemuth“ von Philip K. Dick.

Was hier noch erwähnt werden sollte ist unter anderen die Kritik von Hans-Dieter Kübler an dem, seiner Meinung nach, zu abstrakten Medienbegriff Luhmanns. Er kritisiert vor allem, dass die Systemtheorie hier Massenmedien nur als instrumentelles, also technisches Verbreitungsmittel sieht. Ein zu eng gefasster Begriff, welcher sich rein auf die Grundlage von Information und Nichtinformation beschränkt. Laut Kübler sollte der Begriff allerdings noch weiter gefasst werden und sich auch auf die Funktionen zwischen diesen Informationsebenen ausweiten. (vgl. Kübler 2000, S.9ff)



Dienstag, 9. Juni 2009

Massenkommunikation konstruiert Wirklichkeit

Paul Watzlawick beschreibt in seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ in wie fern Kommunikation allgemein, und im speziellen auch Massenmedien, Wirklichkeit konstruieren.

Watzlawick geht von keiner eindeutigen, absoluten Wirklichkeit aus, sondern definiert Wirklichkeit als Ergebnis von Kommunikation. Er sagt, Wirklichkeit spielt sich nicht zwischen einzelnen Menschen und in deren Umgebung ab, sondern in den Köpfen jedes Einzelnen. Es gibt also keine Wirklichkeit, sondern nur völlig subjektive und zum Teil völlig widersprüchliche Wirklichkeitsauffassungen. Watzlawik redet in diesem Zusammenhang noch von der Wirklichkeit 1. Ordnung und der Wirklichkeit 2. Ordnung.
Wirklichkeit ist also entweder das Ergebnis selbst getroffener zwischenmenschlicher Abmachungen oder entsteht auf Grund einer bestimmten Gesellschaftsschicht oder Gruppenzugehörigkeit. Die so erschaffenen Konstruktionen werden, sobald Sinnzusammenhänge gestiftet sind, die subjektiv als wirklich und wahr gelten, beibehalten. Nur wenn die Konstruktionen an der Realität scheitern, werden sie verändert. (vgl. Watzlawick 2005)

Diese Argumentation nimmt Watzlawick auch als Grundlage, um Rufmorde oder Gerüchte ausgehend von Massenmedien wie Fernsehen und Zeitschriften zu erklären. An diesem Punkt kann man auch mit „Radio Free Albemuth“ anknüpfen. In Kapitel 3 wird beschrieben, wie Präsident Ferris F. Fremont an die Macht kommt, indem er eine konkurrierende Kandidatin in Zeitungen und auf Werbetafeln als homosexuell verleumdet.

„Fremont had used his newspaper in Oceanside to blast Mrs. Greyson, and, financed by unknown sources, he had plastered the southern part of the state with billboards darkly alluding to Mrs. Greyson’s sex life.

CALIFORNIA NEEDS A STRAIGHT CANDIDATE!
DON’T YOU THINK THERE'S SOMETHING QUEER ABOUT GREYSON?”
(Dick 2008, S.26)

Ob diese Informationen stimmen oder nicht, ist nach Watzlawick eigentlich egal. Sie konstruieren eine subjektive Wirklichkeit. Da man politische Kandidaten in den seltensten Fällen persönlich kennt, können diese Konstruktionen also wohl kaum an der Wirklichkeit scheitern (was sie auch, wenn man die Personen kennt, nicht unbedingt müssen).
Die Plakatschriften und Zeitungseinträge, die in „Radio Free Albemuth“ beschrieben werden, konstruieren nicht nur eine Wirklichkeit, in der die Kandidatin Greyson homosexuell ist, sondern gleichzeitig eine, in der Homosexualität mit politischen Eigenschaften metaphorisiert wird. Dies unterstreicht auch die Macht der Sprache. Auch eine solche sprachliche Metapher scheint nicht an der Realität scheitern zu können. So ist „straight“ im englischen nun mal ein Wort für heterosexuell und heißt übersetzt gradlinig oder gerade aus. Diese Gleichsetzung in der Konstruktion der Wirklichkeit wird unbewusst aufgenommen und kann an der Realität nicht zerbrechen und wird deshalb von der Masse beibehalten.

Watzlawick beschreibt mit seiner Theorie die unglaubliche Macht, die von Massenmedien ausgeht, die Wirklichkeit einer ganzen Masse zu konstruieren, d.h. die Möglichkeit, diese Wirklichkeit sogar völlig neu zu schaffen. An dieser Stelle des Romans „Radio Free Albemuth“ wird das, wie sehr häufig der Fall, zur Manipulation und somit zur Erreichung eines persönlichen politischen Zieles verwendet.
Andererseits kann diese Wirklichkeit mit Hilfe von Massenmedien jederzeit auch wieder neu gestaltet werden, es muss nur das entstandene Bild bei der Masse an der Realität zerbrechen (wobei Realität hierbei wieder relativ ist, da sie in diesem Verständnis ja wieder konstruiert werden kann).
Dies ist es sozusagen, was in „Radio Free Albemuth“ dann mithilfe der Lieder, in denen der codierte Text verpackt ist, von statten gehen soll. Brady und Silvia planen mithilfe von Radiosendern die Verbreitung dieser Lieder an das Volk, welches somit das wahre Ich von Präsident Fremont erkennen soll. Die Wirklichkeit einer Masse soll somit neu konstruiert werden.

Freitag, 5. Juni 2009

Verlinkungen zur Massenkommunikation

In den letzten Tagen habe ich mich mit dem Thema der Massenkommunikation insofern auseinander gesetzt, indem ich mir Bereiche, welche sich im Bezug auf diese ergeben, zusammengefasst habe. In der unten angezeigten Grafik sollen kurz meine Schwerpunkte hinsichtlich dieser Überlegungen erläutert werden:


Als Medium zu meiner Recherche habe ich das Internet gewählt. Was daraus folgerte, ist eine Link - Sammlung zu den, in der Grafik gezeigten, Bereichen und darüber hinaus.
Diese Sammlung soll auch einen Impuls an meine KollegInnen geben. Hier kann, falls Interesse besteht, von zu Hause aus ein Exkurs in diese Richtung unternommen werden.

SPRACHE:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=10304 TV - Berichte über das Medium "Sprache"

http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?query_string=Schrift&days_published=365&scsrc=1 Gute Artikel rund um das Thema "Sprache" (vor allem im deutschsprachigen Raum)


SCHRIFT:

http://books.google.at/books?id=rtwCkh1-QjYC&printsec=frontcover#PPA85,M1 Online Book - Auszüge aus dem Buch von Harald Haarmann "Geschichte der Schrift"

www.bmukk.gv.at/medienpool/12730/88124.pdf PDF verfasst vom Österreichischen Zukunftministerium.

http://www.google.at/archivesearch?q=Geschichte+der+Schrift&scoring=t&hl=de&um=1&nav_num=50 Google Archiv Suche zur Entstehung der Schrift.

http://www.omniglot.com/ Geschichte und Gegenwart der Sprachen der Welt in kurzer Weise zusammengefasst.


FOTOGRAFIE:

http://www.wu.ac.at/usr/h99a/h9950236/fotografie/foto1.htm Sehr detaillierte Seite der Wirtschafs - Uni Wien über/ von Fotografie.


RADIO:

http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,113BEEE6D62E30A8E0440003BA5E08D7,,,,,,,,,,,,,,,.html Artikel zur Geschichte des Radios.

http://members.aon.at/wabweb/frames/radioaf.htm Geschichte des Radios in Österreich 1924 - 2004.


FILM:

http://www.bleyenberg.de/kultfilme/index.htm Sehr informative Magisterarbeit zum Thema Film in der Postmodernen Gesellschaft.


FERNSEHEN:

http://www.scheida.at/scheida/televisionen.htm Interessante Seite zur Entstehung und Geschichte des internationalen Fernsehens.

http://members.aon.at/wabweb/frames/tvaf.htm Geschichte des Fernsehens 1955 - 2005 in Österreich.


INTERNET:

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/mmedia/web/gdi.html Zur Geschichte des Internets. Artikel der Uni Düsseldorf.


VERLINKUNGEN ZWISCHEN DIESEN BEREICHEN:

http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?query_string=Schrift&days_published=365&scsrc=1 Artikel über eine Schrifterkennungsoftware.

http://www.audiotranskription.de/deutsch/transkription/audiotranskription-f4/audiotranskription-mit-f4.html Seite, die Software zur Transkription von Audio- und Videodateien anbietet. (Hier wird, meiner Meinung nach, die Überschneidung von mehreren Bereichen wie Sprache, Schrift, Ton und Bild sehr anschaulich vermittelt)


WEITERE MASSENKOMMUNIKATIONSMITTEL


RELIGION:

http://www.worldhistorysite.com/d/r&fCivIId.html Kurzer Exkurs zu Religion allgemein.


POLITIK:

http://www.politik.de/ Seite über Tagesaktuelle Politik.

http://www.e-politik.de/ Informative Seite ebenfalls über Tagesaktuelle Politik, aber auch Politikwissenschaft.


WISSENSCHAFT:

http://www.philoscience.unibe.ch/ Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte. Seite der Uni Bern.


MUSIK:

http://www.aeiou.at/aeiou.music Seite zur Musik der TU - Graz. Allgemeine Infos, sowie spezifisch über die ersten Instrumente der Menschheit und dergleichen.


GELD:

http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/geldmuseum/allg_geldgeschichte/formen/formen_und_funktionen_des_geldes.jsp#tcm:14-768 Seite der Österreichischen Nationalbank zur Geschichte und Funktion des Geldes.


All diese Bereiche velinken sich auch Untereinander, schon alleine durch die Quelle (das Internet) an sich. Jede Kommunikationsform greift somit in das Gebiet der anderen ein und erschließt dadurch weitere Felder der Massenkommunikation. Informationen, die dem Rezipienten an Ende zur Verfügung stehen, kommen anscheinend immer wieder aus mehreren Quellen.
Ein interagieren, mit zumindest einem der oben genannten Werkzeuge der Massenkommunikation, scheint somit unausweichlich im gegenwärtigen Leben. Den schon ein Minimal - Gebrauch von Sprache (auch Zeichensprache) erschließt diesen Weg.
Die Verbindung zu Philip K. Dick liegt in den oben genannten Bereichen. Innerhalb seiner Geschichten werden immer wieder die erwähnten Teile der Massenkommunikation abgedeckt. Der Autor verlinkt viele der erwähnten Aspekte, und nutzte diese gekonnt zur Strukturierung seiner Geschichten.
Machtausübung, Umstrukturierung, Zerstörung oder von allem das völlige Gegenteil zeichnet seine Stories aus. Immer wieder wird offengelassen wie es ist, oder wie es sein könnte. Bezogen auf die Kommunikation der Masse eine durchaus verständlich dargelegte Version des Interagierens.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Die Medien entwickeln ein Eigenleben

Medien dienen vorerst und zuallererst der Übertragung und Präsentation von Wissen. Da sie in unserer Gesellschaft allerdings einen immer höheren Stellenwert einnehmen, hat sich diese ursprüngliche Funktion etwas geändert. Die Medien haben ein Eigenleben entwickelt. Sie dienen nicht einfach nur mehr der Übermittlung von Informationen, sondern werden selbst aktiv.


Medien verändern das Gesellschaftsbild und die Wahrnehmung des Menschen,

„weil die mediale Fixierung und Verarbeitung von Wissen eine eigenen Wirklichkeit hervorbringt, die wiederum auf den Menschen und dessen Fähigkeiten zurückwirkt.“ (Reichertz 2007. S. 18.)


Medien sind aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken und fixer Bestandteil unseres Alltags. Wir wachsen mit ihnen auf, stellen uns auf sie ein und lassen uns von ihnen beeinflussen. Sie werden immer selbstständiger und von wem oder wie stark sie gesteuert werden, lässt sich gar nicht mehr ohne weiteres erkennen. Valis könnte man hier als extremstes Beispiel für Medien, auf die der Mensch gar keinen Einfluss hat, anführen. Valis als Massenmedium bringt Nicholas dazu, seinen Wohnsitz und Arbeitsplatz aufzugeben und nach Süd Kalifornien zu ziehen. Nicholas lässt sich nicht nur beeinflussen und leiten, sondern übergibt Valis gewissermaßen die gesamte Verantwortung und Entscheidungsmacht über sein Leben. Das Medium Valis gestaltet nunmehr Nicholas Dasein, vertritt aber die eigenen Interessen und handelt selbstständig. Von wem dieses System gesteuert wird bzw. wer letzten Endes die Fäden in der Hand hält, lässt sich nicht mehr feststellen.

Erscheint diese Steuerung unserer Gesellschaft über die Medien noch weit her geholt und rein fiktional, lässt sich anhand des Mediums Fernsehen zeigen, mit welcher Geschwindigkeit wir uns auf eben diese Situation zu bewegen.


Beinahe jeder besitzt heutzutage ein Fernsehgerät, das täglich und rund um die Uhr Programme sendet und jeden Menschen völlig unabhängig von Geschlecht, Alter und Gesellschaftstatus anspricht. Das Fernsehen gliedert und strukturiert unseren Alltag. Es folgt einem bestimmten Programm und hat für jede Übertragung seine bestimmte Zeit. Außerdem spricht es jedes Thema an. Es gibt nichts, zudem das Fernsehen keinen (scheinbar) objektiven Kommentar abgibt und womit es nichts anfangen kann. Ob Prominenz oder einfacher Bürger, es wird nicht nur jeder angesprochen, es wird auch über jeden gesprochen und berichtet. Zudem wirkt das Fernsehen nicht nur über seine Programme und Kanäle, sondern tritt auch vermehrt bei gesellschaftlichen Ereignissen auf. Es sponsert Feste, es verteilt Informationsmaterial zu Gesundheit, Religion und Natur etc. (vgl. Reichertz 2007, S. 24ff.)



Wie Nicholas in „Radio Free Albemuth“ seine berufliche Position nutzen will, um Inhalte und Botschaften zu verbreiten, die sonst nicht kommunizierbar wären, kann zwar jeder Mensch seine Meinung im Fernsehen vertreten und kundtun, ist allerdings trotz allem von der Allmacht des Fernsehens abhängig. Und diese zeigt sich im Konkurrenzdenken des Mediums. Die Sendezeit ist knapp und somit können nur brisante und Aufmerksamkeiterregende Themen vorgestellt und präsentiert werden.

„Eine zuverlässige Einflussnahme auf die Medien (von welcher Seite auch immer) ist also nicht (mehr) so ohne weiteres und vor allem nicht ungebrochen möglich, hat sich doch das moderne Mediensystem aufgrund politischer und ökonomischer Rahmenbedingungen zunehmen zu einem eigenständigen gesellschaftlichen Subsystem entwickelt, das nach eigenen Logiken und eigenen Zwängen prozessiert.“ (Reichertz 2007, S. 27)


Mittwoch, 3. Juni 2009

Kommunikation als Interaktion – Kommunikation der Massenmedien

Soll Kommunikation gelingen, müssen bestimmte Disziplinierungen, die sich innerhalb einer Gemeinschaft gebildet haben, eingehalten werden. Es ist nicht allein der Sinn des Gesprochenen ausschlaggebend, sondern es spielen auch noch weitere Faktoren eine entscheidende Rolle in welcher Art und Weise Kommunikation funktioniert und wie sie sich entwickelt. Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit, Mimik, Gestik und Körperhaltung tragen Entscheidendes dazu bei, wie Gesagtes verstanden und gedeutet wird. Alles was der eine Gesprächspartner von sich gibt, wird automatisch vom Gegenüber erfasst und interpretiert. Die Körperaktivitäten, die absichtlich mit Sinn versehen sind und die der Akteur vorsätzlich ausführt, fallen unter den Begriff des Handelns. Ein Mensch handelt dann, wenn er sich einer Tätigkeit und der Tatsache, dass diese etwas ausdrückt und nach sich zieht, bewusst ist. Er vermittelt bestimmte Botschaften und Informationen mit seinem Handeln, die in der Gemeinschaft, in der er agiert, wahrgenommen werden und Reaktionen sowie erneute Wahrnehmungsprozesse auslösen. Nicht nur die Antwort des Zuhörenden, sondern auch die damit verbundene Auswirkung auf die Interaktionsgemeinschaft beeinflusst die Situation und infolgedessen entwickelt die Kommunikation eine eigenständige Dynamik.

Geschieht Kommunikation nicht mehr in beiderseitiger Anwesenheit von Sprecher und Angesprochenem, treten Medien als Vermittler von Sprechen und Handeln auf. Die Kommunikation auf der Ebene des Körperausdrucks entfällt hier natürlich.

Der entscheidende Unterschied zwischen Kommunikation als Interaktion anwesender Akteure und der Massenkommunikation über die Medien besteht in der gegenseitigen Wahrnehmung der an der Kommunikation beteiligten. In der interaktiven Kommunikation wird die Wahrnehmung aller geteilt und gemeinsam erlebt. Wahrgenommen wird nicht nur bewusste Handlung, sondern auch individuelle Informationsvergabe mittels nonverbaler Kommunikation. Die Kommunikationspartner müssen sich dazu zur gleichen Zeit im gleichen Raum aufhalten.

Massenkommunikation ist indessen weder an einen bestimmten Raum noch an einen Zeitpunkt, zu dem die Kommunikation stattfinden, gebunden. Charakteristisch für diese Art der Kommunikation ist, dass der Mitteilende die Zuhörenden weder sieht noch kennt. Der Sprechende kann folglich auf sein Gegenüber genauso wenig reagieren wie eingehen und bleibt über Auswirkung und Auslegung des Gesprochene völlig im Unklaren. Er richtet sich an einen größeren Kreis nicht anwesender und anonymer Adressaten und orientiert sich ausschließlich an seinen eigenen Motiven, die für die anderen unzugänglich bleiben. Es entfällt nicht nur die Rückmeldung an den Autor, dieser kann auch nicht bestätigen oder berichtigen, was das Publikum verstanden zu haben glaubt. Insofern handelt es sich hier um eine sehr unpersönliche Art der Kommunikation, die allein in eine Richtung funktioniert und keinerlei Gegenreaktion ermöglicht.

Auf der anderen Seite kann mit der vermittelten Botschaft sehr individuell umgegangen werden. Das Buch als Beispiel für das erste Massenmedium schlechthin, ermöglicht jedem Rezipienten eine eigene Interpretation und Gestaltung der übermittelten Information. Je nach Lesegeschwindigkeit, den eingelegten Pausen und der Reihenfolge, in der die Kapitel gelesen werden, formt sich ein ganz persönliches und einzigartiges Verständnis des Textes. Der Lesende schafft sich folglich seinen eigenen Text, der sich zwar in Inhalt und Form nicht von anderen Ausgaben des Wortlauts unterscheidet, aber durch die subjektive Auseinandersetzung von Rezipient zu Rezipient anders aufgenommen wird.

Im Buch „Radio Free Albemuth“ erhält Nicholas per Post eine Werbereklame für Schuhe. Für Rachel ist diese Form der Massenkommunikation nichts weiter als eine öffentliche Aussendung für ein beworbenes Produkt. Für Nicholas stellt sie, aufgrund seines Hintergrunds und dem bis zu diesem Zeitpunkt Geschehenen etwas völlig anderes dar. Beeinflusst durch Valis bzw. seine bisherigen Erfahrungen liest er aus dieser Schuhwerbung etwas gänzlich Neues heraus. Der Text der Anzeige verändert sich keineswegs, aber dadurch, dass Nicholas bestimmte Wörter in Farbe sieht, die für Rachel gleichbleibend schwarz erscheinen, ergibt sich ein völlig neuer Sinn und somit Nicholas‘ eigener Text.
Den Massenmedien genügt es, wenn sich Rezipienten finden, die sich mit kommunizierten Inhalten in Büchern, Pressemitteilungen, Funk- und Fernsehsendungen etc. auseinandersetzen und sie somit weiter verbreiten.
Valis als Massenmedium führt Nicholas zu Sadassa Silvia. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Vertrauenspersonen bzw. Ansprechpartnern, seiner Frau Rachel und seinem besten Freund Phil, kann sich Nicholas nunmehr endlich mit jemandem über Valis austauschen.

Propaganda der Guten

In meinem Versuch, mich nach fast einer Woche Abwesenheit vom Thema wieder damit zu befassen, bin ich auf diesen Entwurf gestoßen, den ich hier doch noch veröffentlichen möchte.

Thema: Massenpropaganda. Auch, wenn die Verdoppelung vielleicht auf den ersten Blick unnötig erscheint - Propaganda ist nie nicht an eine Masse gerichtet -, soll hier kurz beleuchtet werden, wie Propaganda sich den Massen veroffenbart. Gerade in dem vorliegenden Buch, "Radio Free Albemuth", gibt es hier einige "Andockpunkte". Während aber die Propaganda FFFs aus historischer Perspektive, so man von so etwas sprechen kann, eine typisch "klassische", "konventionelle" darstellt, ist die VALIS Propaganda um ein entscheidendes Attribut gekennzeichnet: "tief-emotionales Vertrauen". Je restriktiver ein konventionelles propagandistisches System wird, desto rationaler wird es. Entweder ist man sich ob des zwecklosen Widerstandes bewusst oder man ist so von der Idee des Systems überzeugt, dass man kein Hinterfragen (auch nicht in familiären Kreisen) duldet. Gerade das letzte Argument mag vielleicht doch wieder nach "Vertrauen" klingen, ist aber keinesfalls von der gleichen Qualität wie das Vertrauen in den VALIS Sateliten.

Es wurde von meinen Kollegen bereits mehrmals diskutiert, dass VALIS eine Gottähnliche Gestalt sein könnte. Auch der Faktor "Vertrauen" ist in diesem Zusammenhang schon gefallen. Im Zusammenhang mit Propaganda ist also besonders jene Seite interessant, die mit außergewöhnlichen Mitteln arbeitet. Der Widerstand formt sich nicht aus politischem Tatendrang, sondern aus fast religiöser Überzeugung. Hätte es das VALI-System nicht gegeben, wäre eine Widerstandsbewegung dieser Größenordnung (es scheint ja doch einige VALIS-Empfänger zu geben) nie aufgekommen. Die Systemkritiker wären in ihrer Paralyse steckengeblieben, von den FAP immer weiter eingeschüchtert worden und hätten ihre Ratio schließlich aufgrund ihrer Hilflosigkeit und emotionalem Überdruck Gehirngewaschen und zum Schweigen gebracht. Jeder junge Mensch, der gesagt hätte, "da stimmt doch etwas nicht", hätte von diesen ehemaligen Kritikern eine äußerst emotionale Antwort erhalten und in seiner jungen Kritik von jenen, wo er annahm, Unterstützung zu finden, demotiviert, anstatt aufgebaut geworden.

VALIS ist also eine übernatürliche Instanz, die seinen Schützlingen noch etwas verspricht: Wenn sie die bedingungslose, nicht hinterfragte, Meinung von VALIS in Taten umsetzen und dabei, aufgrund des hohen Risikos sterben sollten, verspricht VALIS ihnen ein Leben nach dem Tod. Dort soll es sogar schöner sein als auf der Erde. Damit schafft sich VALIS quasi Attentäter, die den Tod nicht mehr fürchten. Wer ist eigentlich die gute Seite? Natürlich ist es nicht ganz richtig zu sagen, dass die Aramchecks völlig unhinterfragt VALIS-Befehle ausführen, sie haben schließlich die Probleme im System und die davon ausgehende Bedrohung erkannt und sind damit besonders empfänglich für jegliche Gegenpropaganda. Aber letztendlich lassen sie es zu, und Brady ist sich dessen bewusst, dass sie von VALIS Gehirngewaschen werden und schlimmer noch, ihre "Widerstands-" und "Wachrüttelpropaganda" basiert nicht auf einer wachrüttelnden Aufklärung sondern stellt eine Gehirnwaschende Propagandamaschine dar, die sich nicht im geringsten von jener der Regierung unterscheidet.

Massenkommunikation als Massenmanipulation

Radio Free Albemuth bedient sich verschiedenster biblischer Schlüssel in der Geschichtenerzählung:
Der brennende Dornenbusch (S.174), Die Befreiung der Ägypter durch Moses, der kurz darauf als quasi erster Empfänger außerirdischer Intelligenz bezeichnet wird (ebd.) bzw. am Ende der Zustand, dass sich zwei "Wissende" im Joch befinden, der Vergleich mit dem "jüdischen Krieg", 70 n.Chr., Die Auferstehung bzw. "Ewiges Leben" (S.177) und die Initiale "FFF" für Frederic F. Fremont" (666 - Zahl des Tieres / des Antichristen [1]). In diesem Werk scheint in Hinsicht auf "Massenkommunikation" also neben dem syntaktisch-technischen Aspekt (wie wird kommuniziert) vor allem der semantische mit hoher Bedeutung aufgeladen zu sein. Neben der Frage, was also überhaupt kommuniziert wird, zu welchem Zweck kommuniziert wird und wie sich das auf die Welt der Geschichte auswirkt, soll sich schließlich die Frage stellen: Wie findet der Kommunikationsfluss überhaupt statt?


Frederic F. Fermont (FAP):

- Kommuniziert über öffentliche Medien
- sendet Botschaften, die das Handeln des Präsidenten rechtfertigen, unterstützen, ihn vielleicht sogar durch Suggestion der Massen dazu auffordern sollen
- Empfänger sind nicht zum Hinterfragen aufgerufen, sondern sollen als Marionetten operieren
- Stärkt, rechtfertigt und erhält Autorität des Systems
- Anhänger: vorrangig junge Menschen, die in der FAP eine besondere Möglichkeit zur Verwirklichung sehen - außerdem: Aufstiegschancen

VALIS (Aramcheck):

- Kommuniziert über geheimen Satellit
- sendet komplexe Chiffren, weil aus dem Untergrund operierend,
- Bekämpft das neu etablierte fremde System, will das eigene (moralisch gute) wiederherstellen
- Anhänger: jene, die die politische Entwicklung hinterfragen


Auffällig ist, dass sich beide Seiten einer Ein-Weg-Kommunikation bedienen. Eine Antwortmöglichkeit ist nicht gegeben.
Es gibt zwar die Massenkommunikation in andere Richtung, indem Menschen aufgefordert werden, "sketches" über ihre Nachbarn, Freunde oder sich selbst zu verfassen und damit eine Aktion von seiten der FAP auslösen, die wiederum auf sie oder ihre Freunde rückwirken kann, dies ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass die unterjochte Masse keine Erkenntnisse aus der stattgefundenen Kommunikation (jedweder Form) schließen kann. Das ist ein Punkt in welchem sich die Aramchecks NICHT von den FAPPERS unterscheiden. Denn die Suggestivmanipulation über Musik stellt nicht gerade ein "Wachrütteln", sondern eher eine Gehirnwäsche dar. Die Masse, zu der kommuniziert wird, kann nicht rückkoppeln, kann keine Fragen stellen. Selbst Nicholas Brady stellt anfangs immer wieder fest, er habe das Gefühl, "programmiert" zu werden. So konzentriert sich der Fokus mehr und mehr auf die "Guten", die Widerstandskämpfer für die Freiheit. Sie wissen, dass Unrecht geschieht, sehen sich aber außer Stande, das Unrecht zu bekämpfen. So vertrauen sie sich einer übernatürlichen Instanz an - sind überhaupt erst jetzt dafür zugänglich.

[1] Bezieht sich auf Bibelstelle in der Johannesoffenbarung, die die Zahl 666 nennt. Sie könnte, da sich die Johannesoffenbarung öfters auf das römische Reich bezieht, eine Chiffre für Kaiser Nero sein. Vgl. dazu Josef Schmidt: Die Rätselzahl 666 in Offb 13:18 Ein Lösungsversuch auf der Basis lateinischer Gematrie In: Novum Testamentum, Band 44, S. 35-54, BRILL, 2002

Donnerstag, 28. Mai 2009

Mittendrin in der "Masscommunication" (Part 2)

VALIS ist Gott – Gott ist VALIS

In seinem Buch „Radio Free Albemuth“ erwähnt Philip K. Dick immer wieder das oder die Wesen aus dem VALIS System A. Die Abkürzung VALIS steht für:
Vast Active Living Intelligent System A.

An dem, das VALIS ein außerirdisches Wesen ist, lässt Philip K. Dick in seiner Geschichte keinen Zweifel. Ganz im Gegenteil, immer wieder beschreibt er diese Erscheinungen sehr genau. Zu Beginn des Romans wird nur von einem einzigen Wesen gesprochen, welches Nicholas Brady in Visionen und Träumen erscheint. Erst ab Kapitel 6 wird von mehreren Personenähnlichen Gestalten gesprochen, die allerdings laut Nicholas keine materiellen Körper besitzen, sondern aus Elektromagnetischen Feldern bestehen. Diese Wesen nehmen durch einen Satelliten (also extraterrestrisch) Kontakt zu Nicholas auf.

Der Glaube an sich und eine damit verbundene Gottheit setzt Dick hier sehr stark als Mittel zur Wirkung auf die Hauptpersonen in seinem Roman ein. Aber auch die Wirkung auf die Massen soll durch die Werkzeuge, wie Beispielsweise Musik oder das Radio, vermittelt werden.
Der bereits erwähnte Satellit galt als das neue Kommunikationsmittel schlechthin, vor allem als neue Technologie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.(vgl. Plake 2004)

Die These, das VALIS eigentlich Gott darstellen könnte, wird hier immer wieder aufgezeigt. In den Gesprächen zwischen Phil und Nicholas kommt dieses Thema häufig zur Sprache. Als Beispiel für das oben erwähnte:

´I trust Valis.´
`Suppose he´s evil.´
´Evil?´ Nicholas Brady stared at me. ´He´s absolute force of good in the Universe!`
´I´m not sure I´d trust him, I said […] Maybe it´s just precognition on your part. Maybe you´re a precog. […]
(Dick 2008,S.43)

Hier zweifelt Phil noch vehement an der Existenz von VALIS, nicht aber daran, dass Nicholas irgendetwas gesehen haben muss (oder selber sein könnte). Phil bezieht sich darauf, dass Nicholas nur eine innere Stimme hört und diese ihm alles vorschreibt, was er denn nun zu tun hätte. Aber er beginnt auch, zumindest in der Mitte der Geschichte, an die Existenz einer fremden Macht zu glauben. Einen Vergleich stellt er hier an:

[…] What sort of imaginary voice is that? I asked myself, Suppose Columbus had heard an imaginary voice telling him to sail west. And because of it he had discovered the New World and changed human history […](Dick 2008,S.52)

Hier vergleicht der Protagonist Phil die Innere Stimme bzw. die Erscheinungen von Nicholas mit der Entdeckung Amerikas. Diese Reise von C. Columbus war vor allem zur Erschließung neuer Wirtschaftswege gedacht, doch der Glaube an einen Weg über den bekannten Horizont (mit dem Ziel Asien von der Westseite her zu erobern) war vor allem ausschlaggebend für diese Reise.(vgl. Wolf 1986, S.192ff)
All dies bezieht sich vor allem auf den Glauben an sich. Das VALIS hier in diesem Roman zum Hauptträger des Glaubens erkoren wird, ist im Bezug auf die Dicksche Weltanschauung durchaus verständlich. Immer wieder zeichnet er von Religion (Bsp. die nach Radio F.A. verfasste „Valis – Trilogy“) und Gott ein Bild vom fremden, unbekannten Wesen ab, welche außerhalb der bekannten Sphären existieren.

Was in diesem Zusammenhang weiter auffällt, ist die Erwähnung von Echnaton (Dick 2008, S.56), einem altägyptischen Pharao, der als Begründer der ersten Monotheistischen Religion gilt.(vgl. ancient-cultures 2009) Nicholas Brady erwähnt dies im Bezug auf Phil´s Science Fiction Geschichten. Ein weiterer Bezug zu Götterkult, den Dick hier eingefügt hat.

Was die Entwicklung von Phil in diesem Buch angeht, bezieht sich diese, wie bereits erwähnt, darauf, dass dieser sich immer weiter von Nicholas in dessen „phantastische“ Welt ziehen lässt. Die Begegnung mit den im Buch vorkommenden Institutionen des Staates (FBI; FAP usw.) verstärkt auch Phil´s Glauben an eine Fremde Macht, welche die Protagonisten befreien und ihnen aus ihrer misslichen Lage helfen könnte. Gegen Ende des Romans zweifelt Phil, vor allem wegen dem Tod von Nicholas und dessen Familie, immer noch die Existenz von VALIS an.

Nicholas was dead, and by now Rachel and Johnny, who had done nothing, had been rounded up. […] So much for the idea of a handful of people overthrowing a police tyranny. Even, I thought, with the help of Valis.
My friend is dead, I said to myself. The friend I have most of my life. There is now no Nicholas Brady to believe crazy things, to listen, to enjoy.
(Dick 2008,S.268ff)

Phil bleibt also bis zu den letzten Seiten des Romans kritisch gegenüber VALIS. Selbst der Prediger (Leon) im Internierungslager, in das Phil gesteckt wurde, kann ihn nicht von der Macht Gottes und dessen Wirken auf der Erde überzeugen. Somit wird aber auch nicht aufgeklärt ob VALIS nun Gott ist oder nicht, es bleibt offen.

Philip K. Dick hat mit dem Roman „Radio Free Albemuth“ und der danach entstandenen VALIS – Trilogy, seine eigenen Visionen sehr stark manifestiert. Seine Beschreibungen lassen sich aus seinen 2-3-74 Erfahrungen gut in den Romanen ablesen. Diese Erfahrungen hat er auch in den so genannten Exegesen festgehalten, welche er in den Jahren 1974 – 82 verfasst hat. Seine Visionen hat er stets mit etwas Gottähnlichen verglichen, zumindest hatte eine Macht von außerhalb Einfluss auf ihn und teilweise auch auf seine Umgebung.(vgl. Sutin 1994, S.285ff)

Die Auseinandersetzung von Dick mit Glauben und dessen Wirkung auf einzelne, aber auch auf die breite Masse, wurde in diesen Romanen gut herausgearbeitet. Die Frage nach Gott und dessen Sinn und Zweck lässt Dick hier geschickt offen. Ein großer Raum für Spekulation und Interpretation ist somit den Lesern noch offen geblieben. Die Masse soll entscheiden inwieweit sich diverse Aspekte weiterentwickeln könnten.

Montag, 25. Mai 2009

Disziplinierung des Kommunizierens

Mit dem Begriff „Kommunikation“ wird gemeinhin eine Übertragung bzw. ein Austausch von Informationen bezeichnet. Jo Reichertz differenziert den Begriff, indem er ihn ein durch und durch soziales Phänomen nennt, über das in dieser vielschichtigen Form nur die Gattung Mensch verfügt. Kommunikation bei Reichertz meint symbolisch vermittelte Interaktion und somit eine Form des sozialen Handelns. Kommunikatives Handeln beschreibt folglich weit mehr als einfache Informationsübertragung, sondern vielmehr den gesamten Prozess der Verständigung. Personale oder institutionelle Akteure versuchen in der Interaktionsgemeinschaft mithilfe der Symbole, die sich diese Gemeinschaft angeeignet hat, in direktem oder vermitteltem Kontakt ihr Handeln zu koordinieren.

„Kommunikation ist also symbolvermitteltes Handeln von konkreten Menschen für konkrete Menschen in bestimmten Situationen und bestimmten Soziallagen.“ (Reichertz 2007, S. 299.)

Im Laufe der Zeit haben sich gewisse Disziplinierungen des Kommunizierens ergeben, die sich aus der Art und Weise, wie kommuniziert und interagiert wird, herauslesen lassen. Diese Disziplinierungen sind über alle Epochen hinweg von Gesellschaftschicht zu Gesellschaftschicht verschieden und meist nur innerhalb dieser Schichten wirksam.

Jo
Reichertz gliedert sie folgendermaßen:

Die vier Disziplinierungen des Kommunizierens
• Die Disziplinierung des Sprechens
• Die Disziplinierung der Verantwortungsübernahme
• Die Disziplinierung des Zuhörens
• Die Disziplinierung des Antwortens

Die Disziplinierung des Sprechens bezieht sich auf den Menschen als Sprecher und Agierenden. Er muss sich, bevor er überhaupt etwas sagt, erst dem Angesprochenen zuwenden und sich auf diesen einstellen. Auswahl, Aussprache und Kombination der Wörter richten sich nach den Regeln der Phonetik, Semantik und Grammatik der jeweiligen Gruppe. Der Zuhörer ist hier also bereits Teil jeder Äußerung und beeinflusst und bestimmt diese mit.

In Radio Free Albemuth erzählt Nicholas seinem Freund Phil von seiner ersten paranormalen, dh. übersinnlichen Erfahrung. Er verrät vorerst nicht, dass er selbst dieses Erlebnis hatte, sondern präsentiert die ganze Geschichte als Idee für einen Science-Fiction-Roman. Phil selbst ist Autor solcher Erzählungen und Nicholas erhofft sich durch diesen Umstand Verständnis und Entgegenkommen seitens Phils. Nicholas, hier der Sprechende, passt sich der gegebenen Situation an und stellt sich auf Phil, seinen Gesprächspartner ein. (Dick 2008, S. 22f.)

Die Disziplinierung der Verantwortungsübernahme richtet sich ebenfalls an den Mensch als Sprecher und Agierenden. Hier übernimmt er durch das Aussprechen eines Satzes zugleich auch die Verantwortung für das Gesagte. Der Sprecher verspricht mit seiner Aussage, dass er in Zukunft etwas tun oder auch nicht tun wird. Die Bedeutung des Ausgedrückten lässt sich allerdings nicht über eine bestimmte Semantik, beispielsweise den Inhalt der Aussage eruieren, sondern gründet sich vorrangig auf die Erwartungshaltung der Interaktionsgemeinschaft. Der Sprecher kann aufgrund früherer Erfahrungen mit dieser Gemeinschaft abschätzen, was von ihm erwartet und angenommen wird, wenn er sprachlich handelt. Indem der Sprecher die Verantwortung für das eigene Sprechen übernimmt, wird aus der ansonsten bedeutungslosen Äußerung von Wörtern und Sätzen eine kommunikative Handlung. Weil man weiß oder zumindest zu wissen glaubt, was eine sprachliche Handlung nach sich ziehen wird, handelt man so, wie man handelt.
Als Beispiel aus dem Roman sei hier die Stelle angeführt, an der Phil Rachel nach freien Apartments in der Umgebung fragt. Aus dem Zusammenhang des Gesprächs und der Erwartungshaltung der Interaktionsgemeinschaft ergibt sich, dass Phil gedenkt, in die Nähe seines Freundes Nicholas zu ziehen. Rachel hakt noch einmal nach und fragt, ob Phil denkt, er solle hier sein, um sich um Nicholas zu kümmern. Indem Phil dies bejaht, macht er noch einmal eindeutig klar, dass er sich der Verantwortung bewusst ist, die er soeben übernommen hat. Obwohl es also nie ausdrücklich ausgesprochen wird, ist doch klar, dass Nicholas nicht einfach nur den Wohnsitz wechselt, sondern vielmehr, dass er ab jetzt auch als Unterstützung und Beistand für Rachel und Nicholas da sein wird. (Dick 2008, S. 62f.)

Die Disziplinierung des Zuhörens spricht den Menschen als Antwortenden und Reagierenden an. Zuerst wendet man sich dem anderen zu, um aktiv zuzuhören, wenn er das Wort an einen richtet. Man bemüht sich darum, das Gemeinte zu verstehen und kleine Verständnislücken zu füllen und hofft darauf, dass sich Sinn und Bedeutung dessen, was der Wortführer von sich gibt, im weiteren Verlauf des Sprechens erklären.
Außerdem meint diese Disziplinierung noch, dass man sich selbst aufmerksam zuhört, während man spricht. Welche Verpflichtungen man durch das Gesprochene eingeht, muss ebenso bedacht werden wie die Erinnerung an Gesagtes, das es im weiteren Verlauf des Sprechens zu berücksichtigen gilt.

Die Disziplinierung des Antwortens bezieht sich wieder auf die erste Disziplinierung, nämlich die des Sprechens. Auch Antworten ist Sprechen und somit zieht die Antwort ebenfalls Verantwortung mit sich. Innerhalb einer bestimmten Sprach- und Interaktionsgemeinschaft kann man nicht nach Belieben antworten, sondern muss sich wieder den Gegebenheiten und Gewohnheiten der Gemeinschaft anpassen, wenn Kommunikation gelingen soll.


In Hinblick auf Massenkommunikation wird durch die Disziplinierungen des Kommunizierens deutlich, dass Massenkommunikation nur in einem bestimmten Rahmen funktionieren kann. Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um Massenmedien Raum zur Verbreitung und Entwicklung zu bieten. Die Globalisierung bringt mit sich, dass dieser Rahmen immer größer und vor allem unüberschaubarer wird. Migranten aus den unterschiedlichsten Ländern gelangen in fremde Sprachräume, in denen sie sich nicht unmittelbar den lokalen Sprachgebräuchen anpassen können. Dadurch und auch weil in der politischen und medialen Kultur Wort und Tat oft gut erkennbar auseinander fallen, gelingt die Disziplinierung des Kommunizierens immer weniger.
Die komplexe Kommunikation zwischen Phil und Valis stellt im Roman auch ein zentrales Motiv dar, weil beide nicht der gleichen Interaktionsgemeinschaft angehören und sich somit viele Verständnisschwierigkeiten ergeben.

„Kommunikation wird in dieser Vielfalt dann schwieriger – nicht, weil man sich nicht versteht, sondern weil aus dem Verstandenen nicht mehr das folgt, was wir glauben, das ihm folgen sollte.“ (Reichertz 2007, S. 322.)

Freitag, 15. Mai 2009

Frage nach Massenkommunikation und Valis

Im Roman "Radio Free Albemuth" von Philip K. Dick, fallen wie bereits erwähnt vor allem die zur Massenkommunikation benutzten Massenmedien wie das Fernsehen, Bücher und das Radio auf, wobei dem Radio hierbei wohl die wichtigste Rolle zu kommt, da es für die Verbreitung von Liedern mit codierten Texten verwendet werden soll und schließlich auch verwendet wird, welche eine Botschaft enthalten, die zu dem Fall des derzeitigen Präsidenten Ferris F. Fremont beitragen soll.

Neben den im Roman ganz offensichtlich zur Massenkommunikation genutzten Massenmedien stellt sich vor allem auch die Frage, in wie fern die Kommunikation mit "Valis" als Massenkommunikation verstanden werden kann.
Erst relativ spät im Verlaufe des Buches erscheint dies Frage überhaupt als stellenswert, da man im ersten Teil des Buches, der aus der Sicht des Science Fiction Autors Philip K. Dick die Erlebnisse dessen besten Freundes Nicholas Brady schildert, eher weniger das Gefühl hat, es handele sich bei diesen Erlebnissen um Massenkommunikation. Nicholas Brady bekommt im Laufe dieses ersten Teils mehr und mehr Kontakt zu einer übermenschlichen Lebensform, die sich mit ihm vor allem in der Nacht über Träume in Verbindung setzt. Während Dick anfänglich noch etwas skeptisch scheint, verlässt sich Brady sehr schnell auf diese Verbindung und Vertraut den Informationen und Anweisungen die diese übermenschliche Kontaktquelle ihm zu geben scheint. Er überzeugt damit auch Dick. Ebenfalls sehr schnell bezeichnet Brady diese Kontaktquelle mit dem Namen "Valis". Auch wissen die beiden Freunde bald, oder stellen zumindest die Theorie auf, dass Valis nicht von dieser Erde sein kann und somit außerirdischer Natur ist.

Diese Tatsache, sowie die Tatsache dass Brady der einzige ist, der mit Valis kommuniziert, bzw. Anweisungen und Informationen von ihm bekommt, ließ auch mich anfänglich das Thema der "Valis-Kommunikation", wie ich es jetzt bezeichnen möchte, eher als Anhaltspunkt in die Richtung des Themas der "Marscommunication" schieben, welches ja ebenfalls von einer Gruppe zu diesem Roman behandelt wird.

Erst im zweiten Teil des Romans, der den Fortlauf der Ereignisse aus der Sicht der Hauptfigur Nicholas Brady erzählt, kommen Hinweise auf, dass es sich bei Valis nicht bloß um eine Art Schutzengel des Nicholas Brady handelt, der nur ihn beschützt und leitet, sondern vielmehr ein größeres Konzept dahinter steht.
Valis führt Brady zu einer Frau, Sadassa Silvia, oder auch Sadassa Aramcheck, die ebenfalls Kontakt zu Valis hat, und darüber hinaus berichtet, dass es eine ganze Organisation ist, aus niemand weiß wie vielen Leuten, mit denen Valis kommuniziert und welche Valis in ihren Begegnungen und Plänen sozusagen von oben koordiniert.

"Aramcheck imcludes hundreds, perhaps thousands of people, here and in the Soviet Union. I don't really know how many. The satellite reaches each of us directly and on a individual basis, (...)" (Dick 2008, S.227f.)

Es ist eine weitere Information in Sadassa Silvias Erklärung an Brady enthalten. Wie Brady schon vorher erfahren und kombiniert hat, kommuniziert Valis mithilfe eines Satelliten, der entdeckt wurde. Was er nicht wusste war, dass dieser Satellit mit hundert und vielleicht sogar tausend anderen kommuniziert und diese Informationen an diese Menschen direkt von den Planeten des Albemuth Systems erhält. Valis ist also, oder vielmehr bedient sich durch diesen Satelliten also eines Mediums der Massenkommunikation. Dies wird nun ganz klar sichtbar.

Allerdings muss man hinzufügen, was auch im oben angeführten Zitat beschrieben wird, dass der Satellit, welcher den Namen Aramcheck trägt, jeden den er kontaktiert, auf eine ganz individuelle Weise kontaktiert. Das heißt, es ist nicht so, dass es sich wie bei den uns bekannten Massenkommunikationsmitteln, wie Bücher, Zeitungen, Radio und Fernsehen, um eine Nachricht handelt, die für die Masse zugänglich gemacht wird, oder welche die Masse empfängt. Deshalb hat mich die Frage beschäftigt, ob man dies dann überhaupt als Massenmedium bezeichnen kann und dieser Typ Kommunikation der Massenkommunikation nach Kommunikationwissenschaftlicher Sicht zuzuschreiben ist.

Massenkommunikation ist demnach ein Aspekt der Öffentlichen Kommunikation,

"bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft), durch technische Verbreitungsmittel (Medien), indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder Raumzeitlicher Distanz der Kommunikationspartner) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum (...) gegeben werden". (Maletzke 1963, mit HIckethier 1988)

Nach dieser Definition ist diese Zuschreibung fraglich. Obwohl Punkte durchaus übereinstimmen, so wie die indirekte Kommunikation durch die räumliche Distanz, oder auch die Einseitigkeit der Aussagenden und Aufnehmenden, erfüllt diese Kommunikationsart nicht alle Kriterien für eine "klassische" Massenkommunikation. Da die Kommunikation über den Satelliten erstens sehr wohl begrenzt ist, immerhin spricht Valis nicht zu jedem und scheint sich die Personen mit denen er kommuniziert dannach auszusuchen wie sie in den Plan den Präsidenten zu stürzen passen. Und außerdem handelt es sich hierbei um eine Massenkommunikation, bei der durch das Medium zwar mit der Masse kommuniziert wird, aber wie eben angeführt auf ganz unterschiedliche und individuelle Weise. Die Nachricht oder Botschaft wird hier dem Rezipienten angepasst um ihn ideal zu erreichen.

Wenn man die "Valis-Kommunikation" also als Massenkommunikation versteht, dann muss man dazu sagen, dass Philip K. Dick in seinem Roman eine Massenkommunikation beschreibt, die im Gegensatz zu den menschlichen Massenkommunikationsmitteln, wie wir sie kennen, viel weiter entwickelt ist. Nicht nur technisch gesehen. Sie bringt neue Aspekte in die Diskussion um Massenkommunikation mit ein, so wie der Punkt der Nachrichtenanpassung für inhaltlich ideales Erreichen des Empfängers.

Ob nun Massenkommunikation oder nicht, lasse ich somit zur weiteren Diskussion offen.



Sonntag, 3. Mai 2009

Mittendrin in der „Mass Communication“ (Part 1)

Philip K. Dick schrieb im Jahre 1976 (Erschienen 1985 p.m.) den Roman „Radio Free Albemuth“. Ein Roman der der am Beginn der daraus folgenden "Valis-trilogie" stand. In diesem Roman erzählt Dick die Geschichte zweier Männer, die in den Strudel der Regierungpolitik geraten und mit all den Konsequenzen daraus leben oder aber auch sterben müssen.

P.K. Dick gingen in dieser Zeit einige schwerwiegende Eindrücke durch den Kopf, die er durch diverse „Erscheinungen“ zu verzeichnen hatte. Der bereits erwähnte Roman „Valis“ folgte insbesondere aus diesen Erscheinungen und Visionen.(vgl. Sutin 1994, S.257ff)

In Radio Free Albemuth bekommt dieses Wesen „Valis“ zum ersten Mal eine konkrete Form innerhalb eines Romans von Dick zugesprochen. Hier handelt es sich um eine Lebensform außerhalb unseres bekannten Sonnensystems, welche einen Satelliten in die Umlaufbahn der Erde geschickt hat, um bestimmte Personen auf dem Planeten zu beeinflussen. Diese Beeinflussung ist in der Form einer Revolution gegen den vorhandenen Machtapparat im Roman zu finden. Eine Revolution, die zum scheitern verurteilt ist, zumindest bis zu den letzten Seiten der Geschichte, nach denen alles wieder offen bleibt.

Dick verwendet hier aus seiner eigenen Biographie vorhandene Elemente. Phil, einer der beiden Hauptprotagonisten, hat erst einen Job in einem Radiosender und anschließend arbeitet dieser als freier Sci-Fi Autor (hier führt Dick größtenteils seine eigenen Romantitel als Referenzen an). Nicholas Brady, der zweite Hauptcharakter im Roman, arbeitet bei einem Musik – Label als einer der Sendeverantwortlichen.(vgl. Dick 2008)

Hier kommen Elemente aus P.K. Dicks Leben selbst vor. Auch er arbeitete mit 24 Jahren als Radiomoderator und in einem Plattenladen. Seine ersten Short Stories schrieb er als Teenager und verkaufte die erste davon 1952. Was aber nun zu diesem Romanen führte, waren unter anderen die Vorkommnisse, welche im Dick´schen Lebenslauf als 2-3-74 Erfahrungen angeführt werden. Diese Erfahrungen beschreiben seine Visionen mit einem Rosafarbenen Lichtstrahl, so wie dass sein Hund plötzlich an Intelligenz massiv zugelegt hatte. Diese Visionen verarbeitete Dick erst in seinem Familiären Umfeld und in seinen Niederschriften, in der so genannten „Exegese“, die er acht Jahre lang neben seinen Romanen führte. In seinen Romanen tauchte dann in weiterer Folge „Valis“ auf. Auch im realen Leben bezeichnete Dick die Erscheinung und deren Halluzinogenen Auswirkungen als „Valis“.(vgl. Sutin 1994, S. 316ff)
Dick wusste nach eigenen Angaben selbst nicht, ob er diesen Erscheinungen trauen konnte, oder ob alles nur durch den Drogen- und Schmerzmittelgebrauch zustande kam. Im Selbstzweifel fielen ihm aber grandiose Geschichten für seine Romane und Kurzgeschichten ein. Seine Beschreibungen der „Lichtbilder“, wie Dick sie selber nannte, tauchten in den oben erwähnten Werken auf, aber auch zum Beispiel als „Strampelanzug“ von Fred/ Bob in „A Scanner Darkly“.(vgl.ebd. S. 323)

Die „Mass Communication“, die eigentlich das gefragte Thema dieses Blogs ist, wird im Roman Radio Free Albemuth wie folgt zu Tage gefördert.
Als erstes ist die Machtstruktur an sich, wie in so gut wie allen Werken Dicks, ein wichtiger Aspekt in diesem Roman. Diese Macht, sei es in der Form der FAP - Mitarbeiter (Friends of American People) oder „Valis“ selbst, ist extrem manipulativ. Beide „Institutionen“ werden in diesem Roman in ihren Einflussnahmen auf die Protagonisten geschildert. Über die Instrumente, wie Radio, Musik und Schrift in Buchform (genauer, die Science-Fiction Romane von Phil), wird hier die Mass Communication praktiziert.
Ein weiterer Aspekt ist die spirituelle Erfahrung, im Bezug auf „Valis“. Diese wird in der Geschichte selbst auch mit einem göttlichen Wesen verglichen. Hier führt Dick einen erheblichen religiösen Abschnitt ein, der, wie oben erwähnt, auch für ihn persönlich wichtig war. Die Aufklärung, ob es sich wirklich um Gott handelt, findet im Roman nicht statt. Immer wieder wird auf dieses Extraterrestrische Wesen Bezug genommen, allerdings meist nur in der Form des Satelliten außerhalb der Erde und dessen Einfluss auf die diversen Figuren im Roman.

Dieser Satellit wird innerhalb der Geschichte von der russischen Regierung zerstört und somit die Verbindung zu dem spiritistischen Wesen gekappt. Allerdings läuft die Revolution, wenn auch mit diversen Opfern, in der Geschichte weiter. Als letztes Massenkommunikationsmittel wird hier von der Untergrundbewegung im Roman die Musik als Botschaftträger benutzt.(vgl. Dick, 2008)

P.K. Dick spielt hier immer wieder mit den Mitteln, welche die Gesellschaft sich selbst zur Massenkommunikativen Nutzung auferlegt hat. In seinen Romanen werden immer wieder diese Werkzeuge benannt und benutzt. Sei es als das was sie sind, Massenkommunikationsmittel, oder als unterschwellige Botschaftträger, was allerdings wiederum nur in einer Masse oder Gesellschaftschicht funktioniert, welche Dick in seinen Geschichten ausformuliert.

..to be continued!

Dienstag, 28. April 2009

Aufsätze, Material, Ähnliches

Um weiterzusammeln, folgend ein paar Literaturverweise meinerseits.

Denis McQuail schreibt 1985 (!) auf nicht ganz 20 Seiten über "Sociology of Mass Communication", wobei er sich laut Abstract auf >>Neue Informationstechnologien<< beziehen will, die Bedeutung von frauen in diese Kommunikation und Internationale Kommunikation in der Öffentlichkeit überhaupt.

Es gibt grundsätzlich natürlich einige Aufsätze zu "Gewalt und Massenkommunikation", wie z.B. "Media and Young Children's Learning Media and Young Children's Learning" (Kirkorian et al. 2008) auf JSTOR, "Media and Children's Aggression, Fear, and Altruism" (Wilson 2008) auf JSTOR, "Social Marketing Campaigns and Children's Media Use Social Marketing Campaigns and Children's Media Use" (Evan 2008) auf JSTOR.
In diesem Zusammenhang scheint mir auch "Wenn Texte töten" (Andree 2006) nicht uninteressant.

Hier fällt mir auf, dass das Thema zu groß ist, solange man nicht weiß, was die Massenkommunikation in Radio Free Albemuth darstellt. Also, erst mal das Buch lesen.